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OFFENBARUNG - SIEHE, ICH KOMME BALD
Studien zum Buch der Offenbarung
BUCH 1 - SIEHE, ICH KOMME BALD! (OFFENBARUNG 1:1 - 3:22)
Teil 1.2 Die erste Vision und ihre Konsequenzen auf der Erde: Die Erscheinung des Menschen-sohnes zur Heiligung seiner Gemeinden (Offenbarung 1:9 - 3:22)
Teil 1.2.2. Die Briefe Jesu Christi an seine sieben Gemeinden in Kleinasien (Offenbarung 2:1 - 3:21)

7. Der Brief Jesu Christi an den Gemeindeleiter in Laodizea (Offenbarung 3:14-21)


OFFENBARUNG 3:14-19
14 Und dem Engel der Gemeinde in Laodizea schreibe: Das sagt, der Amen heißt, der treue und wahrhaftige Zeuge, der Anfang der Schöpfung Gottes: 15 Ich kenne deine Werke, daß du weder kalt noch warm bist. Ach, daß du kalt oder warm wärest! 16 Weil du aber lau bist und weder warm noch kalt, werde ich dich ausspeien aus meinem Munde. 17 Du sprichst: Ich bin reich und habe genug und brauche nichts! und weißt nicht, daß du elend und jämmerlich bist, arm, blind und bloß. 18 Ich rate dir, daß du Gold von mir kaufst, das im Feuer geläutert ist, damit du reich werdest, und weiße Kleider, damit du sie anziehst und die Schande deiner Blöße nicht offenbar werde, und Augensalbe, deine Augen zu salben, damit du sehen mögest. 19 Welche ich liebhabe, die weise ich zurecht und züchtige ich. So sei nun eifrig und tue Buße!

Schreibe dem Engel in Laodizea! Der auferstandene Herr diktierte dem greisen Johannes auf Patmos einen erschütternden, seelsorgerlichen Brief an den Gemeindeleiter in Laodizea. Diese Bezirksstadt in Phrygien lag am Lykosfluß und wurde schon zwanzig Jahre zuvor in dem Brief des Paulus an die Kolosser mehrere Male erwähnt (Kol. 2,1; 4,13-16).

Damals versuchten jüdische Lehrer, die junge Gemeinde in Laodizea unter das Joch des alttestamentlichen Gesetzes mit seinen Speiseverboten, Festtagsordnungen und seiner Beschneidung zu bringen. Daneben war eine Irrlehre in die Gemeinde eingesickert, die die Gläubigen zur Kontaktaufnahme mit Engelmächten anleitete. Außerdem trugen Vertreter der griechischen Philosophie ihre hellenistischen Ideen in die Gemeinde hinein, so daß Paulus und Epaphras einen erheblichen Gebetskampf gegen diese fremden Geister kämpfen mußten. Der Apostel der Völker bezeugte der Gemeinde deshalb Christus als die Summe aller Weisheit und Erkenntnis, da in ihm die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig wohnt. Nach seinem Sühnetod und seinem glorreichen Auferstehen hat er sich zur Rechten Gottes gesetzt und durch seinen Geist Wohnung in allen genommen, die auf ihn warten (Kol 1,19.27; 2,3,9+14).

In der Zeit nach Paulus hatte sich die Situation der Gemeinde in Laodizea verschlechtert. Der letzte der sieben Briefe Jesu an die Christen in Kleinasien gleicht einem Eilbrief, einer Faxmitteilung oder einem göttlichen Erlaß direkt aus dem Himmel, in welchem der König aller Könige seinem Gesandten in Laodizea eine betrübliche Offenbarung und den einzigen Weg zur letzten Rettung seiner selbst und seiner Gemeinde vor Augen stellt.

Das sagt, der Amen heißt: An den verweltlichten Gemeindeleiter wendet sich der „Amen“ persönlich, der „treue und wahrhaftige Zeuge“, der „Anfang der Schöpfung Gottes“ (Offb. 3,14). Jesus stellt sich als die personifizierte Wahrheit und die gültige Garantie für alle Verheißungen Gottes im Alten und Neuen Testament vor (2. Kor. 1,19-20). Jesus war der treue und wahrhaftige Zeuge, der vor den siebzig Abgeordneten des Hohen Rates sein Sitzen zur Rechten Gottes seines Vater (Ps. 110,1) und sein Kommen als Richter aller Welten nicht verschwieg. Er blieb treu bis zum Tod am Kreuz und besiegelte am Karfreitag mit seinem Blut die Versöhnung Gottes mit der aufrührerischen Welt (Offb. 1,5).

In Jesus existiert keine List, kein Trick, keine Heuchelei, kein Betrug, wie etwa bei Allah im Islam (Sure 3,54; 8,30). Jesus lebte, was er sagte. In ihm realisierten sich das göttliche Ja zur abgefallenen Menschheit und das göttliche Nein zu Sünde, Tod und Teufel. Jesus ist das Amen Gottes unter alle seine Offenbarungen, Gebote und Segnungen (Eph. 1,3).

Jesus lehrte keine blutleere Philosophie und propagierte keine hohle Spekulation. Vielmehr offenbarte er an Ostern mit seiner Auferstehung von den Toten die Realität seiner heiligen, wunderbaren Existenz als Gott und Mensch und stellte uns mit seinem Geistleib unsere Hoffnung des ewigen Lebens sichtbar vor Augen. Er ist der Beginn der neuen Schöpfung und damit der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater denn durch ihn (Joh. 14,6).

An Pfingsten gossen der Vater und der Sohn die Kraft des Heiligen Geistes zur Erfüllung ihrer Verheißungen auf die wartenden Beter aus. Damit realisierte sich die neue, geistgeborene Schöpfung, die bereits mit der Geburt Christi begonnen hatte, auch in gerechtfertigten Sündern. Jesus ist der Ursprung, der Erstling und das Haupt seiner Gemeinde. Er bestätigt mit seiner Selbstvorstellung das frühere Zeugnis des Apostels Paulus an die Gemeinde in Laodizea (Kol. 1,18; Eph. 3,2-11; Joh. 1,3). Die glühende Retterliebe Jesu ist die einzig gültige Wahrheit. Sie sollte auch den trägen Gemeindeleiter in Laodizea zu einer neuen Hoffnung anspornen.

Ich kenne deine Werke, daß du weder kalt noch warm bist. Ach, daß du doch kalt oder warm wärest! Jesus litt unter den langweiligen Gottesdiensten in Laodizea. Er hörte nur leiernde, laue Gebete, sah angefangene Dienste, die nie zu Ende geführt wurden, und stellte eine nachlässige Seelsorge fest. Alles andere in der Stadt war den Christen wichtiger als das geistliche Leben der Gemeinde. Niemand stritt über Glaubensfragen, keiner war dagegen oder dafür. Zu den Versammlungen kamen noch einige alte Treue oder Mitläufer. Niemand war begeistert. Satan ließ diese Gemeinde völlig in Ruhe. Sie schlief und dämmerte vor sich hin. Von dort drohte ihm keine Gefahr. Alle waren satt und selbstzufrieden. Der vermeintlich goldene Mittelweg mit vielseitigen Kompromissen und einer Mehrheitszustimmung zum Nichtstun bedeuteten in Wirklichkeit den Anfang vom Ende und die letzte Stufe vor dem Absturz. Die Gemeinde war vergammelt und merkte nicht, daß sie ins Gericht Gottes hineintaumelte.

Der Ruf Jesu: „Ach, daß du kalt oder heiß wärest“, sollte den Gemeindeleiter und seine Gemeinde aufwecken. Johann Albrecht Bengel schreibt: „Wie die Seele, so die Werke!“ Jesus zieht eine eiskalte, ablehnende und ihn abstoßende Gemeinde einer lauwarmen, multikulturellen, gleichgültigen Religionsmischung vor. Der mangelnde Dank gegenüber dem Opfer des Lammes Gottes ist schlimmer als seine Ablehnung!

Jesus erwartet von uns siedendheiße Liebe. Wer siedendes Wasser singen hört und seine Temperatur prüft, kann erkennen, daß es trotz ständiger Aufheizung geraume Zeit dieselbe Temperatur von 100° C behält, denn das Wasser wird mit Energie aufgeladen, bevor es kocht und sprudelt. So soll unsere Seele von der Kraft des Geistes Gottes aufgeladen und durchdrungen werden, damit wir Jesus mit Ausdauer dienen und seine Liebe in eine liebeleere Welt ausstrahlen können. Dann kann er uns zum Schluß sagen: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan (Mt. 25,40).

Jesus erwartet von jedem Gemeindeleiter wie auch von dir eine klare Stellungnahme. Er zwingt niemanden seine Gnade anzunehmen oder abzulehnen, wie er uns auch nicht zwingt, für ihn zu brennen. Er wartet jedoch auf deine Entscheidung. Laß dich einschalten in die ewige Kraftzufuhr aus seiner Fülle!

Weil du aber lau bist und weder warm noch kalt, werde ich dich ausspeien aus meinem Munde: Der Herr Jesus ekelt sich vor einem Gläubigen, dem alles gleichgültig ist, der satt und gelangweilt dahinlebt, der niemanden liebt und niemanden haßt. Einen Aussätzigen rührte Jesus in seiner Liebe an und heilte ihn, aber einen lauwarmen Gemeindeleiter speit er aus. Der Herr redet dabei nicht von einem beiläufigen Ausspucken, sondern von einem urgewaltigen Erbrechen und Ausspeien. Das laue, abgestandene Wasser in seinem Mund wird ihm auf die Dauer unerträglich. Geistlich verstanden heißt das Ausspeien aus dem Mund des Herrn, daß er den Namen des desinteressierten Gemeindeleiters nicht mehr in seinem Munde führen und ihn nie wieder vor seinem Vater im Himmel aussprechen wird!

Bei den sechs zuvor angesprochenen Predigern hat Jesus seinen Mahn- und Bußworten oder seiner Ermutigung immer eine Beschreibung der Gemeindesituation und sein Lob für viele Dienste und Geduld vorausgeschickt. In Laodizea aber redet er anders. Hier sehen und hören wir den flammenden Zorn des Lammes Gottes in einem ultimativen Drohwort. Bei diesem Pastor half keine Logik und kein Zureden mehr, nur noch der Schock.

Die Zornesglut Jesu war die letzte Hoffnung für den dahinsiechenden Prediger. Bisher hatte Jesus viermal an seine Gesandten schreiben lassen: „Ich habe wider dich! - wenngleich manches bei dir auch gut läuft.“ In Laodizea aber diktierte er vernichtend: „Du bist widerlich, du ekelst mich!“ Das war der Gipfel der Verurteilung.

Jesus ist ehrlich. Er sagte dem Seelsorger die Wahrheit, aber er rang immer noch um den Selbstzufriedenen. Er hatte ihn noch nicht aus seinem Mund ausgespien. Er ertrug ihn noch eine kurze Zeit mit der Hoffnung, daß er sofort und ganz Buße tue.

Du sprichst: Ich bin reich und habe genug und brauche nichts! und weißt nicht, daß du elend und jämmerlich bist, arm, blind und bloß: Nach dem aufrüttelnden Drohwort erklärte Jesus dem Mann in Laodizea dessen ganzes Elend. Der Gemeindeleiter war wohlhabend und geehrt und kaufte sich seine Leute ohne Gewissensbedenken mit Bestechung oder Geschenken. Alle ehrten ihn und dienerten vor ihm. Er war wie der reiche Kornbauer in Luk. 12,19 selbstzufrieden geworden.

Der Prediger dachte wahrscheinlich bei sich: „Ich besitze eine sichere Basis für die Zukunft. Die Gemeinde leidet keine Not. Ich kann sie nebenher mitfinanzieren“. Der Mann merkte nicht, wie er dem Herrn sein Recht, seine Ehre und den Dank stahl. Er erkannte nicht, daß alle Leistung, Kraft, Wohlstand, Erfolg, Gesundheit und Ehre letztlich aus dem göttlichen Segen stammen. Er war zwar reich an Geld und Gold, aber arm an Geist und Liebe. Alles drehte sich um sein erfolgreiches Ich. Er protzte mit seinem Erfolg, der in seinen guten Kleidern, Kutschen und Häusern sichtbar wurde. Er erzählte gern vom Aufbau seines Geschäfts und analysierte selbstgefällig seinen Erfolg. Vom Dank gegenüber Gott war wenig zu hören. Selbstzufriedenheit bedeutet im Grund genommen Aufruhr gegen den Herrn. Der Mann dachte vielleicht unbewußt: „Das habe ich alles selbst geschafft. Ich brauche keinen Heiland, Retter und Helfer. Ich besitze das Paradies bereits auf Erden. Ich kann in den Urlaub reisen und mit Erschauern das Elend anderer Völker sehen und schnell wieder vergessen!“

Dieser Gemeindeleiter ist das Urbild für viele Gläubige in unserer modernen Wohlstandsgesellschaft. Sie gehören nicht zu den Bettelarmen und nicht zu den Superreichen. Sie besitzen genug zum Leben und zum Urlaub. Fließend Wasser, elektrischer Strom und geteerte Straßen erleichtern ihnen das Leben. Sie haben alles, was sie brauchen - aber ihr Leben ist hohl und oberflächlich. Nichts regt sie so schnell mehr auf. Sie sind satt und zufrieden.

Jesus berichtet vom reichen Mann und dem armen Lazarus vor seiner Tür. Der reiche Mann spiegelt das Bild des Gemeindeleiters in Laodizea und vieler Gläubigen in unserer Gesellschaft wider. Verspätete Reue in der Hölle war das Ergebnis, als der Reiche in Qual und Pein erwachte.

Jesus liebte auch den im Wohlstand gleichgültigen Prediger, obwohl er ihn zum Ausspeien anekelte. Er stellte ihm seinen erbarmungswürdigen Zustand vor Augen und offenbarte ihm seine unsichtbaren Krankheiten. Der Herr fand kein Lob für diesen Mann, nur noch Mitleid! Der Seelsorger war zwar noch ein Gesandter Jesu Christi, aber er hatte sein geistliches Leben sträflich vernachlässigt. In Gottes Augen stellte er eine Jammergestalt dar. Sein Elend zeigte sich auf drei Ebenen:

Er vegetierte im Geist innerlich leer dahin. Er besaß keine göttliche Kraft mehr. Er hatte den missionarischen Weitblick verloren. Seine Geschäfte und sein Erfolg hatten ihn voll in Beschlag genommen. Sein Unterbewußtsein war angefüllt mit Zahlen, Projekten und Kalkulationen. Die himmlische Dimension in ihm war verkümmert. Er war geistlich arm geworden.

Er war aber auch geistlich blind. Er sah nicht mehr die Heiligkeit und Liebe Gottes. Deshalb erkannte er auch seine eigene Sündhaftigkeit und Verdorbenheit nicht. Er begriff nicht, daß er kurz vor dem Ende seines Lebens stand, und träumte: „Ich weiß alles und habe alle in der Hand.“ Er meinte alles zu überschauen und war doch blind geworden.

Vielleicht bedauerten ihn die anderen Gemeindeleiter in Kleinasien. Sie waren zwar arm an Geld und besaßen wenig Einfluß in der Gesellschaft. Sie waren jedoch reich in Gott. Sie taten Buße über ihren Versäumnissen. Er aber dachte, das habe er nicht nötig. Heute leben viele Erfolgsmenschen von Herzmitteln und fordern ständig neue Kuren. Ihr Terminkalender jagt sie, so daß sie keine innere Ruhe mehr finden können. Sie stehen in Gefahr, arm in Gott und geistlich blind zu werden. Jesus gibt ihnen zu denken: „Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele?“ (Mt. 16,26)

Jesus erklärte dem verirrten Verkündiger in Laodizea schließlich noch, er habe ihn durchschaut. Der Gemeindeleiter stehe bloß und nackt vor Gott und vor Menschen. Vielleicht lächelten manche über den geistlichen Versager, der aufgeblasen protzte und auf seinen Besitz und Einfluß pochte. Sein geistlicher Bankrott und die Diskrepanz zwischen seinem Anspruch und seiner Wirklichkeit waren offensichtlich geworden. Er dachte, er sei etwas, aber das spöttische, bedauernde Lächeln über ihn hatte begonnen. Er sagte, er sei sehend, sah aber nichts. Wer denkt, er wisse über Gott und die Welt Bescheid, ist sehr begrenzt. Wo nicht der Herr uns die Augen öffnet, bleiben wir geistlich blind, und wer nicht von neuem geboren wird, kann das Reich Gottes nicht sehen (Joh. 3,3).

Ich rate dir, daß du Gold von mir kaufst und weiße Kleider und Augensalbe: Jesus redete mit dem Kaufmann wie ein Kaufmann. Er befahl ihm nicht kurzerhand, Buße zu tun oder umzudenken, sondern empfahl ihm freundlich, im Sprachgebrauch eines Händlers, sich aus eigenem Entschluß erstklassige Himmelsgüter zu erwerben. Sie allein hätten Ewigkeitswert. Jesus gab dem aufgeblasenen Reichen eine letzte Chance. Er rang um den satten, selbstzufriedenen Prediger wie um seinen eigenen Bruder.

Bei der göttlichen Inventur hatten sich die Regale und Konten des Gemeindeleiters als leer erwiesen. In seiner Kasse war kein geistliches Gold und nichts mit Ewigkeitswert zu finden. Der Prediger mußte begreifen, daß sein irdischer Reichtum im Himmel wertlos war. Er mußte in einem Willensakt seine bisherigen Wertmaßstäbe weglegen und den göttlichen Maßstab annehmen.

Jesus empfahl dem geschäftstüchtigen Seelsorger, bei ihm Gold einzukaufen, das im Feuer geläutert war. Laodizea war in jener Zeit für die Produktion von Feingold bekannt, das in heißem Feuer geläutert wurde. Vielleicht hat der Angesprochene an dieser Goldproduktion sein Geld verdient. Darauf mochte Jesus anspielen, als er ihm anbot, besseres Gold von ihm zu kaufen. Dieses Gold Jesu ist sein Heil, das im Feuer des Zorns Gottes geläutert wurde. Sein Gold ist nicht mit Geld zu erwerben. Es wird nur umsonst abgegeben, weil kein Mensch in der Lage ist, den unbezahlbaren Gegenwert dafür aufzubringen. Unsere Rechtfertigung aus Gnaden, die Vergebung aller unserer Sünden und die Reinigung unseres Gewissens erschließt sich allein dem Glauben an Gottes Lamm und sein stellvertretendes Leiden und Sterben. Wir wurden nicht mit Gold oder Silber erlöst, sondern durch das unschuldige Leiden und Sterben des Sohnes Gottes. Diese Währung allein hat im Himmel Zahlkraft. Der Kaufmann mußte lernen umzudenken, die Umwertung aller Werte annehmen und Jesus für sein unbezahlbares Geschenk danken (1. Petr. 1,18-19).

Im Islam allerdings muß der Muslim seine vage Hoffnung auf einen Platz im Paradies teuer bezahlen. Beten, Fasten, Wallfahrten, Religionssteuer und Blutvergießen im Heiligen Krieg stellen seine Zahlungsmittel dar (Suren 35,29-30; 9,111). Er weiß aber nie, ob er genügend gute Taten nachweisen kann, um seine Sünden aufzuwiegen. Er besitzt kein himmlisches Gold, das ihm umsonst gegeben wurde. Ein Muslim lehnt jede Stellvertretung im Gericht, die Realität des Sohnes Gottes und das Heil aus Gnaden ab und bleibt deshalb schuldig, unruhig und geistlich arm.

Jesus befahl Johannes, dem geschäftstüchtigen Seelsorger in Laodizea zu schreiben, er möge strahlend weiße Kleider von ihm kaufen und sie auch anziehen, damit seine Schande nicht offenbar werde. Laodizea hatte neben der Goldproduktion auch eine beachtliche Textilindustrie aufgebaut, die auf die Herstellung schwarzer Stoffe spezialisiert war. Aus diesen feinen Stoffen wurde die offizielle Amtsbekleidung hergestellt. Beamte sollten in würdiger Form ihr Amt und ihre Autorität repräsentieren. Vielleicht hat der Prediger-Kaufmann mit solchen Stoffen gehandelt und sich selbst einige Anzüge davon anmessen lassen. Jesus aber ermutigte ihn, diese irdische Ehre und seinen Amtsfimmel abzulegen und weiße Kleider vom Himmel anzuziehen. Diese neuen Kleider bezeugen die umsonst verliehene Reinheit allein aus Gnade.

Im Nahen Osten wurden Verbrecher, die zum Tode verurteilt waren, oft entkleidet, um sie nackt, verächtlich darzustellen. Der Sohn Gottes hat auch diese Strafe an unserer Stelle erlitten. Auf seine Nachfolger wartet seither keine Verurteilung mit Nacktheit mehr, sondern der Freispruch in Ehrenkleidern. Freigesprochene konnten in Kleinasien das Gerichtsgebäude zum Zeichen ihrer Schuldlosigkeit in weißen Kleidern verlassen. Jesus forderte den Prediger auf, seinen schwarzen Traditionsrock auszuziehen und wegzuwerfen und weiße Kleider zum Zeichen seiner Rechtfertigung anzuziehen. Er sollte bekennen, daß Kleidung, Geld und Menschenehre vor Gott wertlos sind. Die Reinigung unserer Herzen durch Christi Blut ist jedoch unerläßlich für unsere Annahme bei Gott.

Jesus ging in seiner Seelsorge an dem verweltlichten Gemeindeleiter noch weiter und empfahl ihm, Augensalbe vom himmlischen Arzt zu kaufen, damit er wieder klar sehen könne. Das war der letzte Pfeil der Liebe Gottes, der am tiefsten ins Herz des Predigers treffen sollte. Die Stadt Laodizea hatte eine berühmte Augensalbe entwickelt, die in viele Länder verkauft wurde. Im Nahen Osten gibt es häufig Augenkrankheiten und Hunderttausende von Blinden wegen Staub, mangelnder Hygiene und Inzucht. Vielleicht hatte der Prediger mit dieser Augensalbe gehandelt und gute Geschäfte gemacht. Jetzt sagte Jesus zu ihm: „Komm zu mir und probiere meine Augensalbe. Du bekommst sie umsonst. Komm endlich herbei, damit du nicht weiterhin blind durchs Leben irrst, sondern offene Augen bekommst und mich erkennen kannst. Dann bist du auch in der Lage, dich selbst und deine Umwelt so wahrzunehmen, wie Gott sie sieht.“ Die Augensalbe, die Jesus umsonst weitergibt, ist der Heilige Geist. Ohne ihn kann niemand Christus seinen Herrn heißen (1. Kor. 12,3). Der Geistempfang bedeutet die Salbung, ohne die kein Glaubender ein Christ ist. Jesus selbst sagte: „Der Geist des Herrn ist auf mir, weil er mich gesalbt hat, zu verkündigen das Evangelium den Armen (Luk. 4,18).“ Der Gemeindeleiter sollte dieses Selbstzeugnis Jesu nachsprechen und bekennen, um sein Amt in der Vollmacht dieser Salbung durchzuführen.

Jesus hatte diesem Mann geschrieben: „Du bist blind!“ Viele denken, sie seien sehend, und sind doch blind. Wohl dem, der sagt: „Ich war blind und bin jetzt sehend, weil Jesus mir die Augen meines Herzens geöffnet hat.“ So erkennt er den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist.

Welche ich liebe, die weise ich zurecht und züchtige ich. So sei nun eifrig und tue Buße! Jesus ändert mit diesen Worten die Art seiner Seelsorge dem verlorenen Sohn gegenüber. Er redet jetzt nicht mehr als der zornige Sohn Gottes, noch als ein kluger Kaufmann, sondern als liebender Vater.

Jesus sichert dem Gemeindeleiter indirekt zu: „Ich, der Herr, liebe dich!“ Er redet dabei weder von der Liebe der Philosophen noch von der erotischen Liebe, sondern von der opferbereiten Liebe im Heiligen Geist. Jesu Retterliebe drängt ihn zu einer stufenweise Verschärfung seiner Erziehungsmethoden. Er will alles sagen und tun, um seinen Gesandten zur Besinnung und zur Umkehr zu bringen.

Nachdem Jesus ihm seine liebevolle Absicht zugesichert hat, geht er zu klarer Kritik über. Nur der ist ein guter Freund, der die Schwächen und Fehler des andern aufdeckt und lösende Worte der Liebe findet. Vergangenes Unrecht muß beim Namen genannt und bekannt werden. Die Mahnung Jesu an den Gemeindeleiter von Laodizea ist heftig und freundlich zugleich.

Er will ihn zum geistlichen Gehorsam führen. Der eigene Wille muß überwunden werden. Der Glaubensgehorsam ist der Weg zum Leben.

Sollte der Mann in Laodizea jedoch nicht hören wollen, muß er die göttliche Strafe fühlen. Jesus ist dann gezwungen, ihm alle seine glänzenden Projekte, Pläne, Sicherheiten und Hoffnungen zu zerschlagen. Der Prediger muß lernen, geistlich umzudenken. Falls er das nicht tut, hat Jesus nur die zwei Möglichkeiten, ihn entweder zu züchtigen oder auszuspeien. Wenn alles Reden nichts nützt, müssen Schläge herhalten. Viele Humanisten und moderne Erziehungswissenschaftler lieben die notwendigen Schläge der Erziehungsberechtigten nicht. Jesus zieht es jedoch vor, im flammenden Zorn seiner Liebe zu strafen, als seinen schuldigen Gesandten endgültig verloren gehen zu lassen. Der ist zwar ein Brechmittel für den heiligen Herrn, aber weil er ihn liebt, droht er ihm, ihn zu züchtigen, falls er sich nicht ändere.

Viele Eltern besitzen kaum noch die Autorität der Liebe, so daß sie ihre Kinder nur mit lauwarmen Worten mahnen und nicht mehr die seelische Kraft aufbringen, ihre Kinder mit Weisheit maßvoll zu strafen. Kinder warten oft auf eine gerechte Strafe, weil sie wissen, daß sie sie verdient haben!

Jesus fordert den Pastor in Laodizea auf: „Tu Busse, denke um, ändere deine Gedankenrichtung! Laß dich von mir inspirieren und erlaube nicht dem Machtdenken, daß es dich beherrsche.“ Echte Buße entsteht allein durch Jesus Christus in der Kraft seines Heiligen Geistes. Wir sollen Sünden nicht nur kurz und emotional bereuen, sondern bösen Neigungen in uns für immer den Kampf ansagen. Luther schrieb zum Anfang seiner Reformationsthesen: „Das Leben eines Christen sollte eine immerwährende Buße sein!“

Jesus hoffte, daß der geschäftsorientierte Eifer des Predigers in Laodizea durch einen geistlichen Eifer ersetzt werde. Nicht Feilschen und Rechnen sollten ihn beherrschen, sondern die Suche nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit (Mt. 6,33). Er sollte nicht mehr lau, gleichgültig, gelangweilt, unbesorgt und so nebenher seine geistlichen Dienste tun, sondern in der Siedehitze des Heiligen Geistes, voller Kraft, und alles daran setzen, daß jedes Glied seiner Gemeinde gerettet und geheiligt werde. Die faulen Kompromisse sollten aus seinem Leben verschwinden. Jesus stand vor ihm als richtender Retter und als treuer Heiland.

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