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OFFENBARUNG - SIEHE, ICH KOMME BALD
Studien zum Buch der Offenbarung
BUCH 1 - SIEHE, ICH KOMME BALD! (OFFENBARUNG 1:1 - 3:22)
Teil 1.2 Die erste Vision und ihre Konsequenzen auf der Erde: Die Erscheinung des Menschen-sohnes zur Heiligung seiner Gemeinden (Offenbarung 1:9 - 3:22)

Teil 1.2.1 Die herrliche Erscheinung des auferstandenen Herrn (Offenbarung 1:9-20)

1. Einleitung: Johannes in der Verbannung auf der Insel Patmos (Offenbarung 1:9)


OFFENBARUNG 1:9
9 Ich, Johannes, euer Bruder und Mitgenosse an der Bedrängnis und am Reich und an der Geduld in Jesus, war auf der Insel, die Patmos heißt, um des Wortes Gottes Willen und des Zeugnisses von Jesus.

Ich, Johannes: Nachdem Jahwe, der Allmächtige, sich als der „Ich bin das A und das O, der Erste und der Letzte“ vorgestellt hat, wagt es Johannes, seine erste Vision mit einem anderen „Ich“ zu eröffnen. Er verbirgt sich nicht mehr, wie er es als Augenzeuge Jesu in seinem Evangelium tat. Johannes empfängt einen Auftrag in stürmischer Zeit. Er ist Gottes Stimme an die verfolgte Gemeinde, sein Bevollmächtigter und sein Gesandter und außerdem der älteste und einzige noch lebende Apostel Jesu Christi. Er ist der Prophet seines Herrn, berufen um die Endzeitereignisse anzuzeigen. Dabei bleibt sein Name, Johannes, auch weiterhin das Thema in der wachsenden Finsternis der letzten Tage: Jahwe erbarmt sich. Jahwe hat Mitleid. Die Treue seines Herrn, seine Gnade und Barmherzigkeit mitten im Gericht zu verkündigen, ist das Programm seines Namens.

Euer Bruder: Johannes könnte sich als Bischof, Erzbischof, Patriarch, Papst oder Apostel vorstellen. Er wählt aber einen besseren, höheren und demütigeren Titel und nennt sich Bruder aller wiedergeborenen Christen in der Familie unseres Vaters im Himmel. Jesus hatte ihn und die anderen Apostel seine Brüder genannt (Mt. 23,8; 25,40; 28,10), deshalb hat er das Recht, sich als Bruder unter Brüdern zu bezeichnen. Er gehört in die neue geistliche und himmlische Sippe hinein (Eph. 2,19; 1. Joh. 3,1-3).

Echte Geschwister sind füreinander in guten und in bösen Tagen verantwortlich. Sie sagen sich gegenseitig in Liebe die Wahrheit, auch wenn es schmerzt. Sie beten füreinander und leiden miteinander. Not bindet enger zusammen.

Johannes war kein Direktor, Sultan oder Philosoph, sondern der Erste unter Gleichen, der verantwortliche Älteste unter Brüdern. Er mußte in kritischen Zeiten für alle anderen reden, handeln und leiden. Der Mitgenosse in der Bedrängnis: Die wachsenden Bedrückungen und die beginnenden Verfolgungen im römischen Reich hatten nicht nur Johannes selbst, sondern auch die Gemeinden erreicht. Die Verfolgung der Christen nach dem Brand Roms (64 n. Chr.) und die im ganzen Reich beginnende Vergottung des Kaisers Domitian brachten neue Richtlinien und Befehle zur Stabilisierung der Reichseinheit. Damit begann eine schwierige Situation für Christen: Sie beten zwar für Kaiser, Könige und Fürsten, beten sie aber nicht an. Sie sind untertan der Obrigkeit, die Gewalt über sie hat, gleichzeitig aber leben sie in einem geistlichen Reich, in einer Theokratie. Sie geben Gott, was Gottes ist, und dem Kaiser, was des Kaisers ist. Die Forderung nach einer Totalauslieferung an den Kaiser, der alle und alles beherrschen will, muß unweigerlich einen Frontalzusammenstoß herbeiführen. Die Verfolgungswellen unter den späteren Cäsaren bezeugen die Unvereinbarkeit dieser beiden totalitären Machtansprüche.

Die Offenbarung Jesu Christi bietet mit ihren Visionen auch heute noch Stärkung, Trost und Leitung für verfolgte Gemeinden in allen Kontinenten an. Wo immer eine Weltanschauung oder ein Gesetz wie die Scharia die Menschen vereinnahmen und sie völlig unterwerfen will, kann dieses Buch weiterhelfen und den Angefochtenen zeigen, daß Jesus inmitten seiner verfolgten Gemeinden gegenwärtig ist, sie tröstet, stärkt, bewahrt und führt.

Der Mitgenosse am Reich: Johannes berührt mit seinem Zeugnis, er sei „Mitgenosse am Reich“, einen der wichtigsten Begriffe des Neuen Testamentes. Wir beten im Vaterunser: „Dein Reich komme!“ Jesus befiehlt uns: „Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit“ (Mt. 6,33). Er versichert uns, daß sein Vater uns das Reich geben wird (Luk. 12,32).

Wir lesen 35mal im Neuen Testament vom Reich, 37mal vom Reich Gottes und 33mal vom Reich der Himmel. Dabei ist jedesmal die Rede von der Königsherrschaft Gottes, die durch den Herrn Jesus Christus ausgeübt wird. Dieser bekannte: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt. Ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und in die Welt gekommen, daß ich die Wahrheit bezeugen soll. Wer aus der Wahrheit ist, der hört meine Stimme“ (Joh. 18,36-37).

Jesus kam nicht mit der Absicht in die Welt, seine Gemeinde zu bauen, sondern er wollte alle und alles im Reich seines Vater vereinen. Dieser hat das All geschaffen. Deshalb gehört ihm die gesamte Welt. Die meisten Juden und Heiden jedoch entzogen sich mit ihrem aufrührerischen Geist seinem Anspruch. Da erst begann Jesus, seine Nachfolger als Gemeinde der Herausgerufenen (Ekklesia) ins Leben zu rufen. In seinen Reden in den Evangelien steht deshalb nur dreimal das Wort Ekklesia, während das Wort vom Reich (Basileia) über hundertmal zu lesen ist. Das änderte sich schlagartig mit der Ausgießung des Heiligen Geistes. Seither leben wir im Zeitalter der Gemeinde. In der Apostelgeschichte und in den Briefen steht zweimal öfter das Wort für Gemeinde (Ekklesia) als das Wort vom Reich (Basileia). Die Gemeinde ist der Anbruch des Reiches Gottes, eine geistliche Neuschöpfung, in der die Kraft Gottes wirkt. Jeder Wiedergeborene ist ein verantwortlicher Bürger dieses Reiches.

Wegen ihres Glaubens an den Gottkönig Jesus Christus und an sein geistliches Reich erlitten die Gemeinden in Kleinasien zunehmend Verfolgung. Die Römer wollten kein anderes Reich in ihrem Reich dulden. Den von ihnen gekreuzigten König Christus verspotteten sie und zeichneten ihn bisweilen als einen gekreuzigten Esel an die Wand. Der Glaube an das Reich Jesu Christi bedeutete für die Gemeinde Feindschaft, Verhöre, Druck, Bespitzelung, Verfolgung und Tod. Die Königsherrschaft Gottes war und ist das Gegenteil aller Cäsaren-Reiche.

Der Mitgenosse an der Geduld in Christus: Johannes und andere bewußte Gemeindeglieder verstanden sich als rechtmäßige Bürger im Reich Jesu Christi. Deshalb wurden sie von den Reichen dieser Welt unter Druck gesetzt. Der Fürst dieser Welt kämpft gegen das Gottesreich, um es von innen her auszuhöhlen oder um es von außen zu zertrümmern. Er kennt keine Gnade. Wo Evangeliumsverkündigung lebendig ist, lassen seine Angriffe nicht lange auf sich warten. Da Johannes der wichtigste Prediger der Gemeinden Kleinasiens war, wurde er trotz seines vorbildlichen Lebenswandels isoliert und deportiert. Verhöre, Gefängnis, Schläge, Hunger, Kälte und Folter trafen auch andere Gemeindeglieder. Wo der Druck von außen zunimmt, beginnen bald auch der Verrat und der Abfall bei den Mitläufern in der Gemeinde. So nehmen Bedrängnis, Angst und Unsicherheit zu.

Johannes schreibt seinen Gemeinden weder, daß diese Nöte schnell zu Ende gehen werden, noch empfiehlt er die Auswanderung, sondern ermahnt sie zum Aushalten und Drunterbleiben, damit sie in der Liebe wie auch in der Geduld fest werden.

Druck von außen erzeugt bei den Treuen in der Gemeinde oft eine engere Gemeinschaft. Ihr Erprobtsein schafft Vertrauen zueinander. Ihr Festbleiben in Christus wird sichtbar. Gerade in der Verfolgung realisiert sich das Wort Jesu: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende“ (Mt. 28,20). Seine Gegenwart ist das Geheimnis der wachsenden Geduld einzelner Christen. Nicht sie bringen die Kraft dazu aus sich selbst auf. Nein, seine Kraft kommt in ihrer Schwachheit zur Vollendung (2. Kor 12,9). Sie leben „in“ ihm und er „in“ ihnen.

Geduld im Leiden schafft Hoffnung auf das baldige Kommen Jesu. Der Ausblick auf den verheißenen König gibt den Bedrängten einen langen Atem zum Durchhalten. Die Lebensweise der Verfolgten bleibt nicht oberflächlich, selbstzufrieden oder selbstsicher. Sie strecken sich nach dem Ziel aus und werden zum geistlichen Heimweh in der Sehnsucht nach dem Reich Gottes befreit. Der Dienst an der Gemeinde und die Evangelisation an den Fernstehenden halten sie jedoch noch auf Erden zurück.

Kein Christ wäre in der Lage, die Versuchungen und Angriffe Satans von sich aus zu ertragen, wenn Jesus ihm nicht das Vorrecht gewährte, „in ihm“ und in seinem Geist zu ruhen. Im Neuen Testament wird etwa 175mal unser Sein und Bleiben in Christus bezeugt. Er ist unser Luftschutzkeller, unsere Rüstung und unser Leben. Er sagt: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun“ (Joh. 15,5).

Der auf die Insel Patmos deportierte Apostel: Der leise Aufschrei des Johannes: Ich kam auf die Insel, die Patmos heißt! zeugt vom Beginn des letzten Abschnittes im Leben des greisen Apostels Jesu. Als junger Mann war er ein Fischer am See Genezareth gewesen. Er ließ sich bei Johannes dem Täufer im Jordan zum Zeichen seiner Buße taufen. Jesus berief dann Jakobus, seinen Bruder, und ihn selbst in seine Nachfolge. Er war der Jünger, den der Herr besonders lieb hatte (Joh. 13,23; 19,26; 20,2; 21,7+20). Johannes sah mit Entsetzen, wie Jesus am Kreuz starb, nahm Maria, seine Mutter, zu sich, blickte mit Petrus ins leere Grab, begegnete dem Auferstandenen persönlich, war Zeuge seiner Himmelfahrt und empfing am Pfingstfest den Heiligen Geist. Er erlitt mit den anderen Aposteln zusammen die Auspeitschung nach ihrem Zeugnis vor dem Hohen Rat (Apg. 5,40-42) und trug Leid um seinen Bruder Jakobus, der von Herodes getötet wurde (Apg. 12,1-2). Er erlebte die Gefangennahme des Petrus und seine Befreiung aus dem Gefängnis und freute sich an den Missionsaufbrüchen in Antiochien und Kleinasien. Er nahm als eine der Säulen der Urgemeinde am Apostelkonzil in Jerusalem teil (Gal. 2,9). Johannes erfuhr später vom Tod des Paulus durchs Schwert und von der Kreuzigung des Petrus in Rom. Er blieb bewahrt, als die Römer 70 n.Chr. Jerusalem eroberten, wanderte nach Ephesus, dem Mittelpunkt der damaligen Christenheit, aus, leitete die blühenden Gemeinden in Anatolien und schrieb für sie sein Evangelium. Zum Schluß wurde er auf die ein-same Insel Patmos im ägäischen Meer verbannt. Sollte dieses „Zur-Seite-Geschoben-Werden“ die letzte Situation seines Lebens werden?

Johannes trug als der letzte noch lebende Apostel die Verantwortung für die ganze Christenheit in seinem Herzen und sah sich nun plötzlich in die Einsamkeit einer öden Insel verbannt, auf die immer wieder unerwünschte Personen deportiert wurden! Was konnte er in dieser Situation tun? Das monotone Klatschen der Wellen am Strand wollte ihn deprimieren. Johannes aber meditierte im Harren auf das Kommen Jesu und betete um Stärkung für seine verlassenen Gemeinden. Er glaubte stellvertretend für sie. Johannes wurde von Jesus in eine große Stille geführt, damit er stellvertretend sehe und höre, was der Geist ihm und allen Jesusnachfolgern zu sagen hatte.

Verbannt wegen Gottes Wort und dem Zeugnis von Jesus Christus: Johannes fragte sich in der Einsamkeit immer wieder, ob ihm ein Fehler in seiner Amtsführung unterlaufen sei oder ob er anderweitig Ursache zum Ärger gegeben hätte. Er fand keinen anderen Grund für seine Lage, als was er bereits in der Einleitung seiner Offenbarung an die semitischen Gemeindeglieder als seinen Auftrag präzise formuliert hatte, nämlich die Gesetze und Verheißungen des Alten Testaments in Übereinstimmung mit dem Zeugnis Jesu Christi im Evangelium zu bezeugen. Das war der einzige Grund, warum er verbannt wurde. Er litt um des Wortes Gottes willen.

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